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  • VWW: 7 eigenartige Wiener Kirchen – am Sonntag

    26. Juli 2020 10:30 bis 16:30

Nach diese Führung bleibt nur Hietzing als die einziger Wiener Gemeindebezirk in dem Eugene noch nie eine Tour angefaengen hat.

Die katholische Kirche ist für viele eine verstaubte, konservative und manchmal repressive Organisation. Aber was die Kunst, Musik oder Architektur betrifft, was sie oft erstaunlich abenteuerlich. Diesen eher unbekannten Aspekt des römischen Katholizismus wollen wir auf einem großen Rundgang zu den Extremen der geistlichen Architektur erkunden. Und das natürlich am Sonntagmorgen – halleluja!

Michelangelo – der im Auftrag der Kirche so viele Kunstwerke, Skulpturen und auch Architektur, einschließlich der Sixtinischen Kapelle, geschaffen hat – hat seine Homosexualität offen gelebt, ebenso wie Leonardo Da Vinci, der das Letzte Abendmahl in Mailand gemalt hat. Auch wenn er viele Aufträge des Papstes entgegengenommen hat, war er ein Atheist und noch dazu ein „Bastard“. Damals war die Kirche wohl liberaler als im 20 Jahrhundert. Heute haben wir einen coolen und fortschrittlichen Papst, aber er bleibt eine Ausnahme zwischen einer langen Reihe an Kriminellen und Geschäftsleuten, die diesen Beruf bisher ausübten.

Wir verraten euch nicht alle Kirchen, die wir besuchen werden, aber wir werden sicher die Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit (Liesing), Steinhof (Penzing), Christus Hoffnung der Welt (Donaustadt) und den Heiligen Nikolaus (Landstraße) besuchen. Einige Namen wirken auf den ersten Blick unbekannt; das liegt daran, dass Kirchen oft nicht nach ihren Heiligen sondern nach den prominenten Architekten benannt werden, wie Lueger, Wotruba oder Wagner.

Vielen Atheisten – wie Eugene – fällt es schwer, die guten Seiten der Religion unabhängig von den schlechten zu betrachten, und sie lehnen folglich das gesamte Konzept ab. Die Geschichte Europas ist jedoch so sehr von jüdisch-christlichem Einfluss geprägt, dass es lächerlich wäre, das Heilige vom Profanen trennen zu wollen. Reiseleiter Eugene kommentiert: „Die christliche Lehre von Vergebung, Nächstenliebe, Frieden und Liebe findet bei uns allen Widerhall. Auch die Reflexion. Schauen Sie sich die wunderbare, innovative Arbeit der Caritas Wien an (magdas Hotel, Brunnenpassage, BioBalkan), um zu sehen, wie wertvoll christliche Nächstenliebe ist. Und oft haben sie es mit vergessenen Menschen am Rande der Gesellschaft zu tun, von Obdachlosen bis hin zu Flüchtlingen, alten Menschen und solchen mit unheilbaren Krankheiten. Ich liebe das gotische Spektakel von Westminster Abbey, aber auch die Chormusik von Bach. Und Weihnachten ist über seine Wurzeln hinausgewachsen und zu einer Zeit der Familie, der Ruhe, des guten Essens, der Lichter und Lieder geworden. Diejenigen, die zu politisch korrekt sind, um jemandem ein frohes Weihnachtsfest zu wünschen, übersehen den Sinn dieses Festes völlig. Die Bibel ist voller guter Geschichten, ob man nun daran glaubt oder nicht, und die Rituale und Feste, die Jesus widerspiegeln, geben dem Jahr Rhythmus und Form.“

„Bevor mein Sohn im vergangenen September in der Leopoldstadt eingeschult wurde, hat die Schule uns nach seiner Konfession gefragt und die Kinder in sechs Gruppen eingeteilt: protestantisch, katholisch, jüdisch, muslimisch, serbisch-orthodox und nicht-gläubig. Die Kinder sitzen dann für den Religionsunterricht in sechs verschiedenen Räumen, und lernen Unterschiede, keine Ähnlichkeiten. Sechsjährige haben keine Religion, sondern glauben das, was ihre Eltern ihnen sagen. Und da mein Sohn keine Religion hat, bekommt er keine Bildung, er sitzt nur in einem Raum und wartet darauf, dass die Schule aus ist. Dabei sollten doch alle Kinder zusammen in einem Raum sein, um sich gegenseitig Fragen zu stellen und die gleichen Inhalte, einschließlich Ethik, lernen – besonders in einer nicht sehr religiösen Stadt wie Wien“.

Gleichzeitig ist klar, dass Religion für Atheist*innen viel zu bieten hätte. Religiöse Menschen leben länger – und glücklicher – Atheist*innen. Im englischsprachigen Raum gibt es eine Kirchenbewegung für Atheist*innen, um jeden Sonntag gemeinsam zu singen, Kontakte zu knüpfen, ethische Debatten zu führen und sogar nicht-gläubigen Kindern den Umgang im Miteinander mit Gläubigen näherzubringen. Die 1994 von Dr. Tim Gorski im zutiefst christlichen Dallas gegründete North Texas Church of Freethought schreibt auf ihrer Website: „Wir glauben leidenschaftlich daran, dass die Wissenschaft allein den Schlüssel zur objektiven Realität hält, während die Religion die subjektiven Bedürfnisse anspricht, die jeder hat.“

Durch die Migration aus Polen und Kroatien ist in einigen Wiener Kirchen ein Wiederaufleben des Glaubens zu verzeichnen, was dazu beiträgt, dass insgesamt 41% der Bevölkerung katholisch sind (32% haben keinen registrierten Glauben, 12% sind muslimisch und 8% orthodox).

Nur weil Religion sich heutzutage so schlecht präsentiert, heißt das nicht, dass sie uns Atheisten nichts beizubringen hat. Wir leben in einem gottlosen Zeitalter, aber nur in Europa – auf den anderen Kontinenten ist die Religion weiterhin eine mächtige, einflussreiche Kraft und wird endlos von politischen Führern und Opportunisten manipuliert, um Geld zu verdienen oder den eigenen Einfluss zu vergrößern. Sie ist verantwortlich für viele Kriege und setzt sich gleichzeitig unermüdlich für den Frieden ein. Leider ist das Zentrum für interreligiösen Dialog in Wien durch die Verbindungen nach Saudi-Arabien eher schlecht aufgenommen worden, aber das ihm zugrunde liegende Konzept bleibt trotzdem wichtig. Vor 10 Jahren war die Votivkirche ein Zufluchtsort für hauptsächlich aus dem Pakistan stammende Geflüchtete.

Wie können Kirchen Teil eines größeren, neutral genutzten Gemeinschaftsbesitzes werden? Es gibt viele alternative Nutzungsmöglichkeiten für Kirchen als Gebäude, einschließlich neuer Wohnungen, aber auch als Räume für kollaborative Zusammenarbeit, Yoga-Unterricht, die Verteilung von Lebensmitteln, für Abkühlung im Sommer und natürlich gleichzeitig immer noch als ein Ort der Ruhe, Stille und Kontemplation.

Reiseleiter Eugene Quinn ist der Sohn von irischen Katholiken. Sein Vater war das siebte von neun Kindern und seine Mutter das älteste von sechs Kindern. Er hat vier Geschwister, aber selbst nur ein Kind. Und sein Vater machte zwei Jahre eine Ausbildung zum Priester in Irland, bevor er Eugene’s Mutter kennenlernte und Plan B wählte. Früher setzten Eltern oft ihre Kinder mit dem Wunsch unter Druck, mindestens einen Priester in der Familie zu haben – was nicht immer unbedingt der eigenen Berufung entsprach. Eugene’s Großmutter mütterlicherseits war die einzige von sieben Schwestern, die im Armagh der 1920er Jahre keine Nonne wurde. Auch diese Geschichte fasziniert Eugene: viele seiner Tanten standen demnach vor der schwierigen Wahl, ob sie viele eigene Kinder zur Welt bringen wollten (vielleicht mit einem betrunkenen Ehemann), oder lieber eine Karriere als Nonne wählen sollten, um als Missionarin, Krankenschwester, Lehrerin oder Entwicklungshelferin zu arbeiten mit der Möglichkeit zu reisen und zu studieren.

Wir werden mit den Wiener Linien von Kirche zu Kirche kommen – deshalb ist ein Tagesticket wichtig. Wir werden auch eine kurze Pause für ein spätes Mittagessen einlegen. Je nach unserer Geschwindigkeit werden wir eventuell nicht alle Kirchen von innen anschauen können.

Alle Kirchen, die wir besuchen werden, sind einzigartig und irgendwie cool. Kommt mit auf unseren Spaziergang – schließlich ist in Wien am Sonntag sonst nicht viel los. Menschen aller Glaubensrichtungen und Menschen ohne Glauben (so wie Eugene) sind auf dieser Tour willkommen.

Dieser Walk ist Teil eines größeren Projekts von space and place, der Vienna Walking Week, die mit 16 neuen Events zeigen sollen, dass es nicht immer nötig ist, die Stadt zu verlassen, um schöne, spannende und exotische Abenteuer zu erleben.

Datum: Sonntag, 26. Juli 2020, bei jedes Wetter

*Unbedingt eine Maske und Wiener Linien Karte mitbringen.

Zeit: 10:30-16:30

Treffpunkt: Liesing S-Bahn Vorplatz

Unkostenbeitrag: 10 € p.P., oder 50€ für alle walks. Von Jugendlichen unter 15 Jahre wird kein Beitrag angenommen. Kein Reservierung ist möglich. Nichts wird ausverkauft, weil unserer Spaziergänge unbegrenzte Teilnehmer zahlen haben.

Ihr Führer, Hirte und Vater: Eugene

Fidelia Gartner (TU Raumplanung/ISRA) und Lisa Fuchs (Max Planck Institute) haben diese Seiten schön übersetzt. Danke.

Wir freuen uns sehr über die finanzielle Unterstützung der Wirtschaftsagentur Wien und über die Förderung von Wien Tourismus, der Mobilitätsagentur und diversen Mediengruppen. Außerdem sind wir stolz, dass wir in die Initiative Reparatur der Zukunft aufgenommen wurden, eine Kooperation von Ö1, Forum Alpbach, Ars Electronica und Akademie der bildenden Künste Wien.