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  • The Invisible Smart City

In einer Zeit und Welt post Greta brauchen wir dringend neue Lösungen.

In diesem unterhaltsamen und leicht zugänglichen Walk zu den jüngsten Veränderungen in Wien verbinden wir vielfältige, innovative Ideen mit einer Englischstunde. Für all jene unter euch, die ihre Englischkenntnisse und grauen Zellen auch in den heißen Sommermonaten trainieren wollen, bieten wir euch gleich in zweierlei Hinsicht die Gelegenheit, fit zu bleiben.

Vernetzt, intelligent, innovativ, kreativ, inklusiv und nachhaltig. Smart Cities geht es in erster Linie darum, das Leben ihrer Bürger*innen leichter, schneller, angenehmer und grüner zu machen. Daten werden unaufhörlich gesammelt, um Arbeitsprozesse zu beschleunigen. Bürger*innen sollen das Gefühl haben, ein Teil dieser Stadt und ihrer zukünftigen Planung zu sein. Daten werden für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und Unternehmen arbeiten mit ihnen, um Innovationen voranzutreiben. Wenn der Prozess rund um die Smart City gut organisiert und kommuniziert wird, fühlen sich die Bürger*innen gleichsam auf einer gemeinsamen Reise in die Zukunft mit ihrer eigenen Stadt. Diese Zugehörigkeit ist ein seltenes Gefühl in unserem von Globalisierung und Wettbewerben getriebenen Zeitalter – und dennoch ist es im „smarten“ Wien spürbar.

Unser Projekt stellt eigentlich einen Widerspruch dar: wie soll man sich auf eine Tour zum Unsichtbaren begeben? Visuell wird man nicht sehr viel sehen können – aber wir können gemeinsam Hinweise lesen, zukünftige Trends aufspüren und Potenzialräume ermessen. Auch wenn wir das konstante Sammeln von Daten mit bloßem Auge nicht sehen können, werden wir umgekehrt ziemlich sicher von allerlei künstlicher Intelligenz beobachtet.

Auf diesem bunten Walk durch die sich schnell verändernde, nördliche Leopoldstadt erleben wir den ethnographischen und sozialen Mix in einem innerstädtischen Bezirk, ein New-School Kaffeehaus und ein analoges Museum. Wir werden erfahren, wie die Mieten in Wien kontrolliert und Straßenmärkte über Steuern nicht zu fancy werden, in’s Grüne gehen, eine Müllsammlung, die Innovationen im öffentlichen Verkehrssystem, ein Leerstandsprojekt für Touristenappartments, schräges Universitätsdesign und ein legales Graffitiprojekt anschauen.

Diese Tour ist Teil eines größeren Projekts von space and place, das den Bewohner*innen von Wien neue Seiten ihrer eigenen Stadt zeigen will. Wir nennen dieses Prinzip tourism for locals und hoffen, dass ihr uns auf diesem sommerlichen Abenteuer durch unsere Stadt begleitet.

Der Begriff „smart“ ist bisher oft missverstanden und falsch gebraucht worden und deshalb kritisch zu betrachten. Wenn wir einige Städte als „smart“ bezeichnen, müsste die Konsequenz nicht lauten, dass andere unintelligent oder gar dümmlich sind? Dabei könnten wir alle voneinander lernen. Die „Smart Cities“ wie San Francisco, Sangdo (Korea), Neom (Saudi-Arabien) oder Toronto haben ein riesiges CO2-Problem. Das Label der Smart City ist meistens mehr ein Marketing-Tool als eine wirklich aussagekräftige Strategie, die ökologisch, technisch oder auch wirtschaftlich etwas bewegt. Wenn wir Energie sparen, sparen wir schließlich meistens auch Geld und Zeit.

Smart zu sein, bedeutet in aller Kürze: Wer versteht, wie ein Stadtsystem funktioniert, es analysiert und optimiert, programmiert eine Stadt so, dass sie anschließend auch unabhängig agieren kann.

Wo ist Wien eigentlich smart? Ein paar Beispiele: Alle U-Bahn-Stationen sind barrierefrei gestaltet, die Seestadt hat für jedes Kind ein Radabo, es gibt Grätzloasen, Sharing-Systeme, öffentliche Verkehrsmittel für nur 1 Euro am Tag und das höchste Holzhaus der Welt. Dadurch ist Wien ein attraktives Gegenmodell zu turbo-kapitalistischen Städten wie London oder New York City.

Wir erleben aktuell ein kulturell pessimistisches Zeitalter, wenige Leute freuen sich angesichts von Unsicherheit, Fake News, Populismus, Klimakrise, Ungleichheit, Digitalisierung von Arbeit und Überbevölkerung auf die Zukunft. Für all diese Herausforderungen soll aber die Smart City Lösungen bereithalten. In vielerlei Hinsicht ist die Welt eigentlich auch jetzt schon ein besserer Ort, als sie es früher war – man denke an die Armutsbekämpfung, die Gleichberechtigung von Frauen, digitale Möglichkeiten von Skype bis Wikipedia, die gesellschaftliche Stellung von Homosexuellen und weniger Verbrechen und Kriegen auf der Welt

Ein zentrales Anliegen der Smart City ist es, dass wir im selben Bezirk arbeiten, leben und spielen können, anstatt dass wir lange Fahrten zu unserem Job oder zur nächsten Kunstausstellung machen müssen.

Da Smart City Konzepte oft von Technologiekonzernen wie Siemens oder Samsung kommen, hat sich die Stadt Wien dazu entschieden, eine eigene Smart City Strategie zu schreiben, die vom Menschen kommt und nicht von großen Konzernen top down durchgesetzt wird. Außerdem hat sich Wien nicht darauf eingelassen, eine Unterstützung von 5 Milliarden Euro von Siemens für die Infrastruktur in der Seestadt im Gegenzug zu den Daten der Einwohner*innen anzunehmen – und stattdessen einen sozialeren Ansatz gewählt.

Erinnert man sich zurück, so war Wien vor 30 Jahren verstaubt, grau und langweilig und deshalb von den wenigsten die Lieblingsstadt. Viel hat sich seit dem EU-Eintritt verändert – Ideen aus aller Welt finden ihren Weg nach Wien, während gleichzeitig das Beste aus den Zeiten des Roten Wiens weiterentwickelt wird.

Ein faszinierendes Datenexperiment aus den USA hat per Satellitenbilder die Fettleibigkeit der Einwohner*innen in verschiedenen Gegenden analysiert. Es muss sich einiges ändern.

Astrid Kuffner hat 2013 in ihrem Buch „Smart City“ 2013 mit einem Auge auf Wien geschrieben: „Eine Stadt ist smart, wenn sie vorausschauend Herausforderungen unter Zeitdruck löst und dadurch das einfache Ziel erreicht, die Lebensqualität der Einwohner*innen auf lange Sicht zu sichern… Die Smart City verschwendet weder Ressourcen bei der Bereitstellung von Energie und Rohstoffen, noch produziert sie unbedacht Müll. Sie nutzt erneuerbare Energien und vermeidet Kohlenstoffdioxid-Emissionen und andere Treibhausgase. Außerdem ist sie adaptierbar an sich verändernde Bedingungen. Sie nutzt Technologie intelligent, arbeitet effizient und denkt über Systeme hinweg. Sie beschäftigt sich mit Bedürfnissen und Planungsmöglichkeiten ihrer Bürger*innen.“

Wir müssen dringend an und mit diesen Konzepten arbeiten, damit wir die nächsten 30 Jahre überleben in einer Welt, die besser wird und nicht immer mehr zerfällt. Die Smart City kann junge Leute davon überzeugen, dass es cool und attraktiv ist, nachhaltig zu leben. Braucht eine smarte Stadt eigentlich auch smarte Bürger*innen? Wahrscheinlich schon. Aber sie sollte nicht nur technisch, sondern vor allem auch sozial gesehen smart sein.

Die Herausforderungen, die vor uns liegen, drehen sich um den Verkehr, die Kommunikation und die Macht von Hacker*innen. Je mehr wir auf KI-Systeme und komplexe Netzwerke vertrauen, desto verletzlicher sind wir bei Störungen und Ausfällen. Und das Sammeln unserer Daten anhand Millionen von Sensoren in der Stadt ist eine ernstzunehmende Bedrohung unserer persönlichen Freiheit. Und dann ist da natürlich noch die Frage, in welcher Umgebung wir eigentlich leben wollen. Für die meisten Leute sind urbane Orte wegen ihrem Charme, ihrer Geschichte und ihrer einfachen Zufälligkeit attraktiv. Wird dieser Charme durch die Technologien der Smart City unausweichlich wegrationalisiert werden? Die Smart City Konzepte haben durch einige Skandale hinsichtlich politischer Manipulation und mangelnder Transparenz der Technologiegiganten einige Rückschläge erhalten. Bisher ist es noch unklar, wie unsere Daten genutzt werden und was wir tun können, wenn wir damit unzufrieden sind.

 

Diese Tour kann als Firmenausflug, Konferenz, Englischstunde für Schulgruppen oder Geburtstagsfeier organisiert werden.

 

Nächste öffentliche Tour: Samstag, 30.Mai 2020, 10:30, auf Englisch

Treffpunkt: U2 Krieau (Ausgang: Krieau), endet am Karmelitermarkt

2,5 Stunden

Tourguide: Eugene Quinn