Portrait: Manfred Dittler – Waffenrad

Angefangen habe alles mit einer „schönen Leich“. So erzählen Manfred Dittler und seine Lebensgefährtin Eleonore Ondrak gerne die Geschichte, wie er vom Maschinenbauer in der Meidlinger Firma Wojnar ausgerechnet bei Fahrrädern landete. Dazwischen hatten die beiden aber nicht nur einen Zwischenstopp gemacht, unter anderem verkauften sie als erste in Österreich Zubehör für HöhlenforscherInnen. Doch das Internetzeitalter ließ dieses Geschäft abflauen, so dass sie sich auf die Suche nach Alternativen machten.

Manfred Dittler - Waffenrad

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Bei den Rädern sind sie hängengeblieben und haben im Geburtshaus von Dittler in Hetzendorf ihre Radwerkstatt eröffnet: „Das war überschaubar, den Platz haben wir gehabt, die Werkstatt haben wir gehabt, und das Know How war für mich kein Problem“, sagt der sympathische Mann mit der weißen Mähne lakonisch. Allerdings ist Dittlers Geschäft nicht irgendeine Fahrradwerkstatt: Zwar machen sie auch Reparaturen und Service, ihre Leidenschaft aber ist das Restaurieren alter Fahrräder, darunter eben auch Waffenräder.

„Ein Kollege hat zu mir gesagt: Spezialisier dich auf ein paar Marken, auf Puch zum Beispiel und auf Waffenräder.“ Manfred Dittler

Wenn man den Vorraum betritt, braucht man eine Weile, bis man sich einen Überblick über all die Dinge verschafft hat, die da an den Wänden hängen, und es sind bei weitem nicht nur Räder. An einer Wand hängt ein altes Rad neben dem anderen. Am Boden stehen jene, die Dittler als nächstes reparieren oder auch restaurieren wird. Einige der alten Räder sind mit Hüten geschmückt, die eine Witwe Dittler geschenkt hat. An einer anderen Wand reihen sich alte Petroleumlampen aneinander, es gibt alte Schilder, Automaten und jede Menge anderer Dinge, die sich im Laufe der Zeit zusammengesammelt haben. „Fühlt sich komischerweise jeder wohl eigentlich“, sagt Dittler, ergänzt aber schmunzelnd: „Meist sind´s Frauen, die sagen: ‚Ma, wenn mein Mann so viel Glumpat hätt, hätt i eam außeghaut mitsamt dem Krempel!’“ Der erste Raum, den man betritt, ist dabei nur der Vorraum: Im Garten stehen noch jede Menge anderer Räder: 300 Stück, schätzen die beiden. Drinnen gibt es noch einen weiteren Schauraum mit weiteren Schmuckstücken auf zwei Rädern.

„Ich bin ja ein Glückskind. Was ich mir einbilde, erfüllt sich auch irgendwie. Zwar oft nicht ad hoc, gewisse Dinge brauchen ein bisschen länger. Aber es funktioniert. Das ist total witzig.“ Manfred Dittler

Seit 2007 betreiben die beiden nun ihr Geschäft, der Anfang war natürlich schwer, denn sie mussten sich erst einmal einen Stock an Rädern wie an Ersatzteilen zulegen. „Im Winter hat es manchmal schon Engpässe gegeben“, erzählt Dittler rückblickend. „Aber wir haben uns beide gewünscht, dass wir einmal einen Full-Time-Job im Winter haben und baff: Schon im gleichen Jahr ist es dahin gegangen.“ „Nein, nicht im gleichen Jahr, aber es hat nicht lange gedauert“, korrigiert Ondrak nicht zum ersten Mal ihren Lebensgefährten. Gemeinsam aber fügen sie Geschichte und Geschichten zusammen – und sie haben so manche amüsante Anekdote zu erzählen.

„Einmal ist ein Mann hereingekommen mit einem Motor und hat gesagt: Bau mir ein Fahrrad darum.“ Eine ganze Weile tüftelte er herum, versuchte eine Lösung zu finde – bis ihm eines Tages ein ganz einfacher Weg einfiel und er das Motor-Fahrrad baute. Ein anderer Mann brachte ein altes schwarzes Puch-Rad, weil er seine Frau zum Geburtstag damit überraschen wollte. Bei der Geschichte wird auch deutlich, dass Dittler und Ondrak immer wieder der Schelm im Nacken sitzt: Der Mann empfing seine Frau mit einem alten Klapperrad, das noch nicht einmal aufgepumpte Reifen hatte. „Sie hat es wirklich schon akzeptiert, dass das jetzt ihr wunderschönes, restauriertes Radl ist. Sie war am Boden zerstört, hat sich aber nichts sagen getraut“, erzählt Ondrak lachend. Doch die Frau wurde erlöst und nahm ihr aufpoliertes Fahrrad entgegen: „Da war sie total glücklich. Aber das war so lieb, weil der Mann so mitgespielt hat.“

„Ein Bock und Hollender war das erste wirkliche Highlight, das wir gehabt haben. Dokumentiert sind weltweit noch drei weitere Räder, meins und zwei andere.“ Manfred Dittler

Inzwischen scheint ihr Geschäft gut zu funktionieren und die beiden wirken ausgesprochen zufrieden. Ein altes Rad restaurieren zu lassen, kostet bei den beiden mindestens 1.000 Euro. Am teuersten wäre das Motor-Fahrrad gewesen, hätten sie dem Kunden nicht einen Freundschaftspreis gegeben: 5.000 Euro hätte es ohne Rabatt gekostet. „Wenn ich heute ein altes Rad restauriere, dann gehört es verchromt und abgeschliffen, es gehören halt gewisse Dinge gemacht“, meint Ondrak. Dittler fügt hinzu: „Da gehört alles zerlegt und das ganze Gewinde aufgeschraubt und das hat halt seinen Preis. Es steckt auch immens viel Arbeit drinnen. Und die Kostenwahrheit wird wahrscheinlich noch um einen Tausender höher sein.“

Mit seiner Arbeit mit Fahrrädern ist für Dittler ein Traum in Erfüllung gegangen. Vor der Eröffnung der Radwerkstatt hatte er sich an mehren anderen Projekten versucht. In dieser Zeit fand er mit Ondrak auch „die richtige Partnerin“. Dass er viel Verschiedenes ausprobiert hat, sieht Dittler als Bereicherung, immerhin sehe man so mehr also sonst. Insgesamt sei er immer seinem „Grundgedanken“ gefolgt: “Zu arbeiten, aber nicht des Geldes wegen, sondern wegen der Freude.“ (Sonja Fercher)

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