Portrait: Karin Bergmayer – Hutobjekte

Online-Ausstellung: Karin Bergmayer - fotografiert von Sebastian Philipp

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Rückblickend scheint es wenig überraschend, dass Karin Bergmayer Hutmacherin geworden ist: “Es gibt so witzige Fotos, wo ich schon als Kind immer ein kleines Huterl aufhatte”, amüsiert sie sich. Ein solches findet sich auch auf ihrem facebook-Auftritt, dort steht sie auf einem Hocker vor einem Osterstrauch – auf dem Kopf eine Art Matrosenhut mit Bommel. “Und auch da schon in Meidling”, hat sie darunter gepostet.

Meidling ist der zweite rote Faden, der sich neben den Hüten durch ihr Leben zieht. Denn Bergmayer hat “ganz, ganz, ganz, lange, tiefe Meidling-Wurzeln“, wie sie sagt. Ihre Großmutter wohnte in dem Haus in einer Seitengasse der Schönbrunner Straße, in dem Bergmayer heute auch ihr Atelier hat. Nach dem Tod der Großmutter war sie in deren Wohnung eingezogen, das Atelier hat Bergmayer Ende der 1980er Jahre dazu gemietet. “Die andere Großmutter hatte in der Singrienergasse ein kleines Lebensmittelgeschäft. Auch meine Eltern sind natürlich aus Meidling und haben sich hier kennengelernt.“ Bergmayer selbst wohnte bis zu ihrem siebten Lebensjahr im 12. Bezirk, nach Meidling kehrte sie für die Ausbildung an der Modeschule Hetzendorf zurück. Dort ging sie ihrer Hut-Leidenschaft nach und absolvierte die Hutklasse – bzw. sie ließ sich zur Modistin ausbilden, wie der Ausbildungszweig korrekt heißt.

 „Der Hutmacher macht Herrenhüte, also Herrenfilzhüte, Kappen und früher Zylinder, Melonen und solche Sachen. Die Modistin und Putzmacherin – Putz von Kopfputz – macht Turbane, Kappen usw. aus ganz verschiedenen Materialien wie Stroh, Filz oder Stoff. Das ist ein vielfältigerer Beruf.“ Karin Bergmayer

Hutobjekte bezeichnet sie ihre Produkte, denn sie macht keine konventionellen Hüte, sondern sie sehen in der Tat wie Kunstobjekte aus. „Das ist meine Art von Ausdruck der Kunst“, sagt sie. Heute stelle sie nur noch „kleinere“ Hüte aus, denn für die größeren hat sie in ihrem Atelier nicht mehr genug Platz. „Einen ganzen Schrebergarten am Kopf“: So beschreibt sie augenzwinkernd diese großen Hutobjekte. Betrachten kann man sie noch auf ihrer Homepage: „Die Sachen habe ich noch, weil die komischerweise noch keiner gekauft hat“, sagt sie und lacht. In ihrem Atelier gibt es Hüte, Kappen und Kopftücher in unterschiedlichen Designs – jedes Objekt ein Einzelstück. Für Männer gibt es „Caps“, wie Bergmayer sie nennt. Die Idee dazu entstand aus einem eigenen Hobby heraus, denn sie hört gerne Swing und hat selbst angefangen Swing zu tanzen. „In dieser Szene versuchen sehr viele sich einigermaßen authentisch zu stylen.“ Also fing sie vor etwa zehn Jahren an, diese selbst zu produzieren. Die Männer können sich die Stoffe selbst aussuchen: „Wenn jetzt einer zu einem Anzug dazu das Cap haben will und noch Stoff übrig hat, aus dem er den Anzug hat machen lassen, ist das natürlich eine tolle Gschicht.“

„In den 80er Jahren war Wien irrsinnig hip in Sachen Mode. Da gab´s Avantgarde und U-Mode und solche Sachen. Das war ziemliche Legende und da war ich natürlich a dabei.“ Karin Bergmayer

„In meiner wilden Zeit habe ich nur ganz schräge Sachen gemacht“, sagt sie rückblickend. Ein Kapitel in dieser wilden Zeit ist die „U-Mode“ rund um das U4 Mitte der 80er Jahre. Wo heute noch das U4-Center ist, war damals noch ein kleines Shopping-Center, das jedoch bald wieder einging. Die leeren Geschäftslokale konnten günstig gemietet werden, erinnert sich Bergmayer. Dort stellten DesignerInnen ihre Produkte aus: „Da hat jeder einen eigenen Geschäftskobel gehabt oder man hat ihn sich geteilt. Ich bin da quasi mit dem Handwagerl rübergefahren. Da sind irrsinnig viele kreative aus dem Boden gesprießt.“

Ob sie von den Hutkünsten leben kann? „Man macht´s nicht in erster Linie, um reich zu werden, speziell ich nicht “, stellt sie fest. Um sich die Hutkunst leisten zu können, hat Bergmayer immer Nebenjobs in der Garderobe gemacht – in den Bundestheatern, der Oper, bei den Salzburger Festspielen und im ORF. Außerdem sei sie nicht anspruchsvoll. Allerdings bedauert sie ein wenig, dass sie kein Geschäftslokal hat. Ihr Atelier nämlich liegt im Halbstock und man stolpert nicht unbedingt darüber, wenn man am Haus vorbei geht. „Aber irgendwie vergeht auch die Zeit und man richtet sich das her, hängt total dran und fühlt sich sehr wohl hier.“

Im Laufe der Jahre hat Bergmayer aus ihrem Atelier geradezu ein Kunstwerk gemacht. Dekorativ sind schon die Wände, auf Regalen und Ständern stellt sie ihre Hutobjekte aus, sie sind Dekoration und Ausstellungsstücke zugleich. Dazu kommen Schmuck und andere Kunstobjekte, nicht zu vergessen die neuen Produkte ihrer Kollektion: „Gschirrln“ für Möpse, die sie unter dem Label „Mopsfidel“ vertreibt. „Das ist eigentlich sehr privat hier, aber es ist auch bewusst so, weil das ist ja kein Geschäft. Man sitzt da und plaudert oder probiert in Ruhe, das gefällt auch vielen Leuten auf der anderen Seite wieder.“ In der Tat kann man sich kaum sattsehen und bekommt Lust, die verschiedenen Hüte und Kappen durchzuprobieren, um das eine Hutobjekt zu finden, das wie angegossen auf den eigenen Kopf passt – oder vielleicht auch gleich mehrere. (Sonja Fercher)

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