• Online-Ausstellung: Abd A. Masoud – Rearte Gallery – fotografiert von Sebastian Philipp

Ein Blick hinter die Fassaden des Hauses in der Spießhammergasse 4 lohnt sich. Außen wirkt es bescheiden, geradezu unscheinbar. Doch sobald man durch die Eingangstür geht, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. An den Wänden im Eingangsbereich hängen eindrucksvolle Bilder mit Kalligraphien, im Ausstellungsraum gibt es neben dem Raum an sich und den dort ausgestellten Bildern auch einen wunderschönen Kamin zu bewundern. Dessen orientalische Dekoration verweist auf die Herkunft des Hausbesitzers: Abd A. Masoud ist aus Jordanien und unterhält in dem Haus seit nunmehr fünf Jahren die „Rearte Gallery“. Den Ausstellungsraum stellt er internationalen Nachwuchskünstlern gratis zur Verfügung. Inzwischen ist er über Jahre ausgebucht, wie er erzählt.

Liebe auf den ersten Blick: So beschreibt Masoud seine Beziehung zu diesem Haus. Denn aus ihrem alten Haus im 13. Bezirk mussten er und seine Frau raus. Sie machten sich also auf die Suche und stolperten gleich im ersten Inserat über das Haus, das sie nun ihr eigen nennen. Auch seine Frau verliebte sich auf Anhieb in das Haus.

„Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich von der Aßmayergasse kam und dieses Portal mit der Stuckatur sah. Da habe mir gedacht: Ach, hoffentlich bekommen wir dieses Haus! Das war Schicksal oder was auch immer.“ Abd A. Masoud

Nach Wien kam Masoud Mitte der 80er Jahre. Er hatte an einer englischen Universität auf Zypern Wirtschaft studiert. Danach musste er sich entscheiden: Wien oder Madrid? „Mein Vater hat mir nicht erlaubt nach Madrid zu gehen, weil die politische Lage unsicher war. Die Entscheidung fiel also auf Wien, da es ein bisschen ruhiger ist und nicht so weit weg. Man braucht ja nur vier Stunden nach Jordanien.“ Er schrieb sich also an der Webster Universität ein. Als im Jahr 1992 die jordanische Botschaft in Wien eröffnete, fing er dort zu arbeiten an: „Ich war zuständig für die Konsularabteilung. Das ist eigentlich wie ein kleines Standesamt.“ 13 Jahre lang arbeitete er dort, zum Ausgleich fing er an alte Möbel zu restaurieren.

„Um etwas Schönes zu machen, muss man manchmal einiges kaputt machen.“ Abd A. Masoud

Was dem Paar an ihrem neuen Haus in Meidling besonders gefiel war die Tatsache, dass es baufällig war. Damit hatten sie weitgehend freie Hand bei den Umbauarbeiten. Doch parallel zum Job in der Botschaft wären diese kaum machbar gewesen. Also kündigte Masoud und ließ sich auf ein neues Abenteuer ein – und die Geschichte der Rearte Gallery nahm ihren Lauf. Begonnen hatte diese damit, dass Masoud einen Raum im Erdgeschoss als Ausstellungsraum herrichtete. Dort zeigte er Freunden seine eigenen Bilder – und dachte sich eines Tages: „Warum nicht anderen diese Chance geben?“

Den schmucken Kamin im Ausstellungsraum hat er selbst gebaut und Räume wie Garten liebevoll hingerichtet. Nicht ohne Grund wirken sie wie ein Kunstwerk, denn Masoud ist selbst Künstler. Er verarbeitet arabische Handschriften bzw. Kalligrafien in seinen Bildern. „Kalligrafien: Einmal anders“ nennt er das. Anders ist daran, dass er sie nicht mit schwarzer Farbe auf weißem Hintergrund anfertigt. „Kalligrafie ist handwerklich etwas Schönes. Aber sie sind fast wie auf der Schreibmaschine geschrieben. Für mich ist das zu hart“, erklärt er, warum er andere Wege ging.

Im Unterschied zur traditionellen Kalligrafie arbeite er außerdem nicht auf Papier, sondern auf Leinwänden. Inspiration findet er in alten Handschriften, oft vermischt er verschiedene Handschriften und fügt sie zu einem neuen Bild zusammen. Ideen holt er sich aus Manuskripten zu Themen wie Astronomie, Mechanik, Zeitberechnung, Medizin oder Kartographie. „Ich nehme einzelne Blätter, sehe sie mir an und interpretiere sie neu“, erklärt er. „Es war wichtig, dass ich eine Nische finde, denn ich habe ja nicht Kunst studiert.“ Diese hat er in der Tat gefunden und hat seine Werke auch schon international ausgestellt.

„Das tut meiner Seele gut, dass ich in diesem Raum etwas geschafft habe, das über die Grenzen von Meidling hinaus wirkt.“ Abd A. Masoud

Zugleich hat er in Meidling eine Heimat gefunden. Die Vielfalt des Bezirks habe ihn immer schon fasziniert: „Für mich ist hier Leben. Ich komme nun einmal aus einem mediterranen Land, da ist es ein bisschen laut“, meint er. Umso mehr freut er sich darüber, dass Meidling nun in Bewegung kommt. Immer mehr junge Familien würden nach Meidling ziehen. „Ich habe meine schönsten Jahre hier verbracht“, sagt er selbst. Nicht zuletzt deshalb freut er sich über Initiativen wie „Wir sind 12“, die neuen Schwung in den Bezirk bringen. Gerade bei ihnen habe er immer wieder einen „Aha-Effekt“ erzeugt. Denn mancheR AktivistIn habe erstaunt festgestellt, an seinem Haus auf dem Weg zum Kindergarten schon oft vorbeigekommen zu sein – ohne zu sehen, welche Schätze sich hinter den Mauern verbergen. Stolz ist er aber auch darauf, dass er in den fünf Jahren des Bestehens seiner Galerie bereits 200 KünstlerInnen ausgestellt hat, die aus allen Kontinenten kommen, um in Meidling auszustellen. (Sonja Fercher)

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