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Vielfalt12 – Eine Entdeckungsreise durch Meidling

Dieses Jahr steht die Wirtschaft im Zentrum der Reportage „Vielfalt12“. Blickt man hinter die Fassaden, gibt es in Meidling einiges zu entdecken: Wussten Sie, dass es in Meidling den ersten österreichischen Bogenbauer-Meister für Streichinstrumente gibt? Oder eine Taschnerin, die als eine von wenigen in Wien Lederwaren herstellt und restauriert? Oder dass es in der Nähe des U4 eine spannende Hutkünstlerin gibt? Insgesamt neun EinzelunternehmerInnen haben der Fotograf Sebastian Philipp und die Journalistin Sonja Fercher aufgespürt portraitiert. Sie zeigen in Fotos und Texten, wie diese einzelnen Persönlichkeiten mit ihrem Engagement zur Vielfalt des Bezirks und der Stadt beitragen. >>> Direkt zu den Portraits

Das Projekt Vielfalt12 geht damit ins zweite Jahr. Die Neuerungen: Neben dem Fokus auf wirtschaftliche Aspekte der Vielfalt bereichert nun die Journalistin Sonja Fercher die Fotoreportagen von Sebastian Philipp mit Texten. Vielfalt12 geht auf eine Idee von Sebastian Philipp zurück. Im Jahr 2012 dokumentierte er über zwei Monate lang das vielfältige Leben in Meidling. Abseits von gängigen Klischees über diesen Wiener Bezirk hat er sich auf die Suche nach Menschen gemacht, die durch ihre Lebensfreude und Tatkraft zur Vitalität Meidlings beitragen.

Sein Blick auf das Thema Vielfalt war breitgefächert, soziale und integrative Projekte wurden ebenso portraitiert wie die Modeschule Hetzendorf. Die Idee war folgende: In einem Bezirk wie Meidling spiegeln sich nicht nur wichtige gesellschaftlichen Aspekte der gesamten Stadt wider, sondern lässt sich auch „die Welt finden“. Durch Reduktion der Betrachtungen auf ein lokal begrenztes Gebiet innerhalb einer Stadt wird es möglich, Beobachtungen zum Thema Vielfalt zu verdichten und in ihrer Intensität erlebbarer zu machen. Die Ergebnisse dieser fokussierten Sichtweise lassen wiederum Rückschlüsse auf unser Leben in Städten allgemein und die positiven Aspekte von Vielfalt in unserer Welt zu.

Die Ausstellung, die auf Wahlplakatständern in der Meidlinger Hauptstraße plakatiert wurde, zeigte deutlich, wie wenig sich die BewohnerInnen einer Stadt dieser Vielfalt bewusst sind. „Das ist ja, als wäret Ihr auf Urlaub gefahren“, lautete das Feedback vieler WienerInnen auf die ausgestellten Fotografien. Denn wer Exotik heutzutage jenseits der Meere zu suchen glaubt, übersieht oftmals die Vielfalt gleich um die Ecke. Dass sich Vielfalt nicht nur entlang ethnischer und religiöser Linien denken lässt, beweist die Bandbreite der Projekte, die Philipp seinen Fotos portraitierte. Denn in die „traditionelle“ Vorstellung passen Bilder wie jene von der Kephas- Kirche oder dem Sikh-Tempel. Aber ist nicht eine „Eliteschule“ wie die Modeschule Hetzendorf ebenfalls eine Parallelwelt, die wir nicht wirklich kennen?

Vielfalt ist ein Konzept, das eine Gesellschaft nicht mehr entlang bestimmter Linien denken will. Vielmehr soll deutlich werden, dass jede Gesellschaft heterogen ist. In Fortführung dieses Gedankens entwickelten Philipp und Fercher das Konzept Vielfalt weiter und legten es auf die Wirtschaft um. Wie die Portraits der von den beiden ausgewählten EinzelunternehmerInnen zeigen, wartet hinter den Fassaden Meidlings so manche Überraschung, die zeigt: Vielfalt ist ein Konzept, das Lust darauf macht, die nähere Umgebung mit neuen Augen zu betrachten. Lassen Sie sich überraschen!

Sebastian Philipp und Sonja Fercher